Fragmente

Mensch und Technik

Wahr und im gleichen Maße banal bleibt die Aussage, dass Technik nicht nur unsere Umwelt sondern auch uns beeinflusst. Dann aber bliebe die Frage, welche Konsequenzen dies für die Möglichkeit der Subjektwerdung, dialektisch verstanden ja gerade der Ausdruck des Unterworfenseins und Unterwerfens, haben wird. Ebenfalls dialektisch verstanden wäre das Eingedenken der eigenen Unterwerfung wohl einzig der Ausweg dieser zu entkommen.

Im Hier und Jetzt 2012

Jede Welle eine neue Chance
Jede Chance ein neues Leben
Jedes Leben eine neue Welle,
die irgendwann bricht.

Die Le(e/h)re aus der Le(e/h)re ist die Melancholie des Verlassenen, von niemandem verlassen und trotzdem alleine, weil ich niemals darin war, sondern immer nur am Rand. Leben als zentrale Randfigur. Verliere ich nun die Figur, deren Rand ich beschritt, so rücke ich selbst ins Zentrum zurück. Ein Zentrum ohne Richtung, ohne Ziel, mit der „fast unlösbaren Aufgabe […]“ mich „[…]nicht dumm machen zu lassen“1 und weshalb gilt, „weitermachen“2 zu müssen. Nach und nach brechen die letzten Fetzen der vergangenen zwei Wochen auf. Ich blieb zurück, bleibe zurück. Eine Selbstentscheidung gegen die Alltäglichkeit, wird so zu einem Ding, welches umso fester weggeworfen, umso härter zurück schlägt. Manchmal nur ein Gespräch, nur ein Satz, nur ein Wort und all die alten, längst verschlossen geglaubten, Wunden reißen wieder auf und bluten umso heftiger. Dass ich nicht alle retten könnte, habe ich längst verstanden, aber dass ich manchmal nicht einmal mich selbst retten könnte, kann ich nicht akzeptieren. Was mir bleibt, ist nicht weniger als ein Trümmerfeld voller schöner Erinnerungen, aus denen ich bis zur Erschöpfung schöpfe. Ein Werbegeschenk des Lebens, bei dem der Skeptiker in mir den Betrug schon wittert, wo die Hoffnung noch die Rettung erblickt. Unendliche Wellen oder pointierte Teilchen? Wie hängt das alles zusammen, wenn es zusammenhangslos nebeneinander steht? Es scheint als hätte ich vergessen, ob die Bedeutung in den Menschen, Dingen und Prozessen liegt oder doch nur in der Perspektive auf all das. Wäre Ersteres der Fall so bliebe mir von alldem nicht mehr als Erinnerung, der verzweifelte Versuch festzuhalten, was einmal war, nun aber längst schon vergangen ist. Erwiese sich Zweiteres als richtig, so wäre nun erst der Raum und die Zeit all das in mich einzuweben, mich transformieren zu lassen und eben als Neues in die Heimatlosigkeit zurückzukehren. Der Insel den Rücken zu zu kehren, könnte dann bedeuten, dass es keine Rückkehr gibt, sondern nur ein neues Erwachen, in einem neuen Leben, auf den Trümmern der alltäglichen Vergangenheit. Diese Neue, das nun unsichtbar vor mir flieht, fliegt, liegt, gilt es zu erkunden und mich selbst ihm auszuliefern. Die Zukunft ist ein unbeschriebenes Blatt, zumindest dann, wenn man zwischen den Buchstaben lesen kann.

Z U K U N F T4

Genug Platz also ein neues Kapitel, in einem neuen Buch, über ein neues Leben, zu schreiben. Füller füllen und einfach losgeschrieben:

Juist ist, was du daraus machst“3 und vor allem: „Ju.ist (,) eine Insel!“
[…]

  1. T.W. Adorno „Minima Moralia“. [zurück]
  2. Grabinschrift auf dem Grab von Herbert Marcuse. [zurück]
  3. Zitat aus diversen Vorträgen und Reden im Kontext des Kurses. [zurück]
  4. An dieser Stelle herzlichsten Dank an alle Teilnehmer, Begleiter, Berater und das Team. [zurück]

Trauer vergeht nicht---…

Kannst du dich noch erinnern?

Ich erinner mich noch an so vieles… Manchmal überfallen mich die Gedanken, manchmal stelle ich mir vor, dass du da(bei) bist, manchmal führe ich im Gedanken Gespräche mit dir. Gleichzeitig bin ich nur unsagbar traurig, unsagbar traurig, dass es nicht noch viel mehr zu erinnern, zu denken und zu besprechen gibt. In einer Stadt wie Berlin ist es schwer zu trauern und vielleicht bin ich auch nur einfach schlecht darin. Doch es bleibt mir nichts anderes übrig als zu trauern.

Im Zug auf dem Weg zu deiner Beerdigung schrieb ich damals:

Lieber Tommy,

Du hast das Leben am Abgrund geliebt und bedingungslos gelebt und dafür habe ich dich geliebt und geliebt ein Stück mit dir am Abgrund zu leben. Jetzt bist du gefallen und ich würde dir gerne, wie Spiderman, hinter her springen, dich irgendwie retten, dir einen Sonnenschirm zu werfen, damit du langsamer fällst, doch was mit bleibt ist nur dir meine Tränen hinterher zu werfen und Scherben auf dem Boden einzusammeln um dich mir in den Leib zu schreiben, wie du es früher durch dein Leben getan hast. Doch keine Narbe hilft darüber hinweg, dass du mir keine mehr zufügen kannst und das tut am meisten weh. Ab hier muss ich jetzt meine Geschichte ohne dich weiter schreiben und du fehlst mir schon jetzt. Deine Stimme, dein Mut zu Leben, einfach nur du!
Ich funktioniere nicht ohne dich…

In Liebe
Mod

Ruhe in Friede geliebter Freund!

Vom Sinn und Unsinn der Frage nach dem Sinn des Lebens

Nach dem Sinn des Lebens fragen, ist analog zu folgendem:

Wir sitzen in einem Keller und ich frage dich, „wieviel Uhr ist es?“ und du antwortest, „Ich habe keine Uhr.“. Ich frage weiter, „Ich weiß, dass du keine Uhr hast, aber wieviel Uhr ist es?“, worauf du antwortest, „Wir sitzen in einem Keller ohne Fenster, weswegen ich die Sonne nicht sehen kann, also auch nicht daran bestimmen kann, wieviel Uhr es ist.“. Ich will mich damit nicht begnügen und frage weiter, „wieviel Uhr ist es?“. Du überlegst, versuchst zu rekonstruieren, wann wir in den Keller gestiegen sind und wie lange wir schon hier unten sitzen könnten und dann sagst du, „ich weiß nicht wie lange wie schon hier unten sitzen und kann dir deshalb nicht sagen, wieviel Uhr es ist.“. Ich höre nicht auf zu fragen und langsam wird es die lästig. Damit ich endlich Ruhe gebe, sagst du, „Es ist genau 15.55 Uhr.“ Worauf ich entgegne, „Wie willst du das Wissen, du hast doch keine Uhr.“.

Unsinnige Sonnenuhr

Wer die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen will, sollte sich vorher überlegen, wie eine sinnvolle Antwort auf die Frage überhaupt aussehen könnte. Ist dem Fragenden aber die Form der Antwort bewusst, so verliert die Frage ihre Bedeutung, da er sich nun die Antwort selbst geben kann und dementsprechend nicht mehr fragen muss. Die Frage dient danach lediglich der Synchronisation mit den Anderen, eben der Klärung der Frage nach der Form der Antwort und nun nicht mehr der Antwort selbst. Überhaupt hat die Frage jetzt den Sinn den Hintergrund des eigenen und des anderen Handelns in den Vordergrund zu rücken. Erklärt wird dadurch nichts…

Kleine Phänomenologie der Sonnenbrille

Die Sonnenbrille enthaelt.

Sie ent-hellt – das Dingphänomen.

Sie enthält – einen vom unausprechlichen Gehalt der Wahrnehmung. (Wittgensteins Schweigen)

Sie enthält – vom Blick hinter die Tatsache.

Sie enthält – vom zuhandenen In-der-Welt-Sein.

Sie enhtält – das nicht in der Welt enthaltene In-der-Welt-Sein des Daseins.

Sie enhält – vom Blick des Anderen.

Sie enthält – den eigenen Blick des Anderen.

Sie enthält – die Ausblendung des Lichts.

Sie selbst enthält Nichts – nur Glas und Plastik.

Betrachtungen im Spiegel der Welt

Ich schau dich an. Seit Jahren nun schon. Ich schreie dich an: „Sag was?“, „Sprich mit mir?“, „Frag mich irgendwas!“, „Erzähl mir irgendwas!“.

Du schweigst nur, während du mich beobachtest, während ich dich beobachte. Wir schauen uns an. Ich versuche mir die Details einzuprägen, versuche dir irgendeine Regung zu entlocken, versuche dich zum sprechen zu bringen, doch du schweigst. Dieses Schweigen, dass mich verrückt macht.

Wenn du schon nicht sprichst, denke ich mir, dann will ich wissen, was du denkst. Denkst du überhaupt oder denke ich nur, dass du denkst, weil du schweigst.

Manchmal befüchrte ich, dass du mich auslachst. Nicht laut, nicht offensichtlich, aber in deinem Kopf ein dröhendes Lachen. Nur kann ich es nicht hören, weil ich hier draußen bin. Gefangen in diesem Draußen das immer schon Drinnen war.

Ich vergesse mich manchmal in deiner Beobachtung. Während wir uns anschauen, versuche ich zu sehen, was du siehst, damit ich sehen kann, was ich sehe. Am Ende sehe ich nichts. Vielleicht habe ich verlernt zu sehen, so wir du verlernt hast zu sprechen. Oder ist dein Schweigen Überzeugung? Überzeugt von was? Für dich scheint alles Sprechen nur ein Rauschen zu sein, dass vorrüber zieht wie Ebbe und Flut, wie die Jahre und Jahrhunderte, wie Anfang und Ende.

Das Rätsel ist nicht, das das du nicht stellst, sondern das du bist, ohne Rätsel, als Rätsel selbst… Nur ein Leben, nur eine Welt, keine Rätsel und doch rätselhaft zugleich!

Steinfragment

Ringe, welche blasenartig am soliden Stein kleben, wahrgenommen als Keimzellen einer jeden Fruchtbarkeit im wirren Strudel der Himmelskörper, welche sich achsenförmig im Raum als Anschauung der Intensität ausbreiten.

Ausbreitung erfolgt durch Energien, welche wellenförmig sich nur erfassen lassen, wenn man den anhaftenden Stein unabhängig von aller Räumlichkeit oder Lokalisation im Raum betrachtet.

Betrachtungen, welche unbewusste Strukturen innerer Zerwüstung der subjektiven Identitätserfassung nicht freizulegen vermögen, weil sie am Begriff des Unbewussten in identitärer Weise festhalten.

Festhaltungen, welche durch Konvention einer sprachlichen Kultur der kulturellen Sprache nicht über die Idee der Kritik, Verteidigung, kritischen Verteidigung, verteidigenden Neuschaffung oder der neuschaffenden Widerlegung hinauskommen, ohne selbst wieder der Konvention zu verhaften.

Verhaftung an den Ringen des verhafteten Nirgendwo in der Zeit, welche Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart in der Gleichzeitigkeit der gewesenen Zukunftspräsenz als Gefangene genommen haben wird.

Werden, als ewig wiederkehrende Fortschreitigung in die einzige Widersprüchlichkeit, den Begriff als Ausgangspunkt der Abgrenzung genommnen zu haben.

Haben, der Besitz der Fähigkeit, ETWAS zu besitzen als ETWAS, welches die Bedingung der Möglichkeit für ETWASHEIT in der Wahrnehmung zugleich konstituiert und nötig hat.

Not, welche aus der Existenz des weltgeworfenen Ichs der Vielzahl Angst vor Veränderung hin zu einem Nichts macht, welches selbst die Ursache der Angst war, als solche jedoch nicht im Sinn einer Einzigartigkeit des Menschen gerechtfertigt werden kann.

Rechtfertigung, die niemals dem Recht gerecht werden kann ohne soviel Unnützigkeit durch Annahmen zu machen, die selber nicht mehr als Argumente vor irgendeinem Sehen des Anderen bestehen können.

Bestand können, als Statik der Idee unbeständig, da die Statik nur selbst aufrechterhalten werden kann, indem sie sich verändert, um gegen die Veränderung der frappierenden Chaosrealität als Statik ausgewiesen zu sein.

Sein, als unbeständige Beständigkeit im sich selbst nicht als originär konstituierenden Subjekt festgehalten, welches in den Ringen der zu betrachtenden Ausbreitung verhaftet bleibt, weil es im Werden des Besitzes die Not der Rechtfertigung nicht als Beständiges zu einem STEIN meißeln kann!

Postmoderner Ausfluss (Teil I.)

1.
Wo fängt alles an und wohin führt das? Wer hat die Information oder was ist die Information? Können Informationen tanzen? Die Postmoderne will das Zeichen zum Tanzen bringen. Ein Zeichnen als Aufforderung zum Tanz. Der Binärcode beginnt zu hüpfen. Zwischen 1 und vielen Möglichkeiten entwickelt sich ein Bild, das es nach Belieben auszumalen gilt. Da keiner alle Farben kennt, weiß keiner wie das Bild der Anderen aussehen könnte, noch ist die Vollständigkeit der Möglichkeiten denkbar. Jede Farbe erzeugt Kontrast, der selbst wieder die Farben kontrastiert. Immer wieder inne halten anschauen, mit Bedacht die nächste Farbe wählen, vielleicht auch einfach drauf los. Ein Wirbel von Beschleunigung und Abbremsung.

2.
Die wunderbare Welt der Dramödie öffnet ihre Tür. Wer über das Drama nicht lachen kann ist Opfer seiner eigenen Identifikation. Und wer mit der Komödie lacht ebenfalls. Aus der Dissimulation gibt es kein Entrinnen. „Widerstand ist zwecklos!“ Um so mehr man sich aus dem Kreis raus bewegen will, umso schneller dreht sich der Kreisel um seine eigene Achse. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist nur eine Einstülpung in Raum und Zeit. Der Gedanke der sich daran abarbeitet, verarbeitet sich selbst, in Scheiben und Stückchen. Nur wer die Wurst aus der Mitte heraus verspeist, trifft ihre beiden Enden womöglich gleichzeitig. Was zählt ist die Intensität des Augenblicks, die sich im nächsten schon vergisst. Doch ohne Gedächtnis bleibt kein Ich, nur ein Körper der in jedem Moment Ich sein könnte, es sobald er es wird, aber wieder vergessen muss, da Ich niemals Ich bin. Statik ist modern. Und da ist wieder der Kreisel der sich im drehen doch von der Stelle bewegt. Gleichzeitig sich um die selbe Achse drehen und doch den Ort der eigenen Achse wechseln. Der Kreisel erscheint an dieser Stelle also als der Inbegriff der zentralen Randfigur, als die jeder Einzelne seine Verortung erarbeiten muss.

3.
Das Netzwerk wird zum Schaumbad. Auf der Suche nach der Konstanten verlaufe ich mich in der Potenz. Meine Nerven spielen Krieg, Bürgerkrieg, Nervenkrieg. Ein Feuerwerk der Aktionspotentiale torpediert den klaren Gedanken und zerschlägt ihn in Fragmente eines Puzzles, dessen Rekonstruktion ohne Rand verläuft. Verkauft und Verraten oder Laufen und Warten. Von einem Fuß auf den anderen ohne den Kontakt zu verlieren. Kontakt zu was? Die Intensität der Reibung der Monaden stellt die Konstante hinter den Potenzen dar. Nur wo sich irgendwas reibt, verändert sich auch etwas. Etwas, bestimmt und unbestimmt.

4.
Plötzlich zieht einer die Brille auf, Perspektivenwechsel. Das scheinbar klarere Sehen verstellt die Perspektive, die Informationen hören auf zu tanzen. In Reihe und Glied verlieren sie ihren Sinn. Bedeutungsvolles Nichts! Dieser Brillenträger baute Legoburgen immer nur nach Anleitung, ohne Anleitung keine Burg. Und er braucht diese Burg, den draußen lauern Gespenster. Der Kommunismus kauert jenseits des Burggrabens. Die Freiheit heult laut vom Berg gegenüber. Und so mauert und mauert es an der Burg, doch die Isolation bedeutet letztlich den Tod und sie gelingt nie. Der Wind lacht unseren Brillenträger aus. Das Leid lässt sich nicht überwinden, nur ertragen. Versteck dich nicht hinter deinem Glasbausteinen. Das was du Wahrheit nennst, nennt dich einen Feigling! Doch ich will dem armen Brillenträger nicht zu sehr auf den viel zu engen Schlips treten, den er wirft immer wieder Spielzeug aus der Burg. Die Technologie die die Mauern zieht wird irgendwann überholt und auf den Abfallhaufen des Marktes geschleudert.

5.
Kaufen, Kaufen, Kaufen. Ich bezahle nicht in Geld, sondern mein Geld ist ein Danke. Und dein Lächeln der Mehrwert, der die Kosten-Nutzen-Rechnung zerschlägt. Kein Geiz, kein Neid, kein Grund zum Sparen. Meine Währung ist unendlich und ich flute eine Welt damit. Keine Arche Noah zwingt die Tiere mehr zur Paarung. Sie ersaufen alle, nur Tod sind sie nicht. Mein Danke kann man atmen, wer darin ertrinkt, ist selber schuld. Und die Schuld ertrinkt mit ihm mit.

6.
Die Reste werden von einer Sonneneruptionen hinweggefegt. Aus der Asche gebärt sich der Phönix und zu Asche wird er wieder werden. Mit wem werden wir sprechen, wenn kein Telefon mehr klingelt und die virtuelle Briefkasten in Urin getränkt alle Briefe in eine Buchstabensuppe verwandelt. Vielleicht wachsen uns dann wieder Krallen oder ein weiches Fell ersetzt die harte Schale. Ich schweife ab. Vielleicht hat die Brillenschlange doch Recht und ihr Apfel ist die Virtualität. Schon wieder fliegt der Mensch aus dem Paradies oder schleudert er sich womöglich durch die Reproduktion der Erbsünde wieder hinein. Ein Garten aus Bits und Bytes! War das Paradies je was anderes? Am virtuellen Charakter hat sich wahrscheinlich wenig geändert und darin leben keine Menschen, kein Adam und keine Eva, selbst Lillith war niemals wirklich da. Nur die Gott und ihre Tiere. Erst mit dem Rauswurf beginnt das Sprechen und der Mensch. Der erste Schmerz, das erste Wort. Der Schmerzensschrei wird erkannt, wir verstehen uns. Ein Lächeln vereint die Opfer. Dein Mitleid ist die erste Liebe der ersten Menschen. Liebe auf den ersten Ton, ob er nun ein Wimmern oder ein Schreien war. Tröstend nehmen wir uns in den Arm. Für einen kurzen Augenblick vergisst du und ich unsere Zweisamkeit im Traum der gemeinsamen Einsamkeit als Wir.

7.
Doch wieder dreht sich der Kreisel weiter, deiner und meiner. Ein Drehen das Jahrtausende überdauert. Immer wieder stoßen Kreisel gegeneinander, ineinander, aufeinander, umeinander herum. Der eine oder andere bremst, bleibt stehen, fällt, bringt andere zum Fallen und plötzlich entsteht ein Krieg. Kreisel an Kreisel reibt sich, keine Achse verlässt mehr ihren Posten und selbst das Drehen fällt schwer. Die Hitze steht über dem Kreiselschlachtfeld, soviel Intensität. Im Rauschen kann man Lachen und Schreien nicht mehr unterscheiden. Die Moderne erträgt die Intensität nicht mehr. Die Welt wir zum Kühlschrank und der kalte Krieg erfunden. Aus der „zwischenmenschlichen Kälte“ entkommt keiner mehr. Die zentralen Randfiguren drängen sich an den Rand, doch der Rand selbst bietet keine Reibungsfläche.

8.
Mutig zurück in die Welt. Langsam das Sprechen wieder lernen, dann das Zählen. Plötzlich fängt das Rechnen an:

y=x^2 : auf der II. Ebene beträgt die konstante Steigung +2.
y=x^3 : auf der III. Ebene beträgt die konstante Steigung +6.
y=x^4 : auf der IV. Ebene beträgt die konstante Steigung +24.
y=x^5 : auf der V. Ebene beträgt die konstante Steigung + 120.

Wie geht das Rätsel weiter? Die Zahlen werden größer. Die Köpfe fangen an zu rauchen. Die Brille sucht die Regel und die Kopf tanzt mit den Zahlen. Was soll das eigentlich, fragt einer? „Das weiß ich erst, wenn ich die Regel gefunden habe“, sagt die Brille. Der Kopf lächelt zufrieden. Die Zahl schlägt wieder mal den Begriff, unbegriffen, einfach machen. Ach, wäre Sprechen auch nur so einfach, aber alle wollen immer Information. Das liegt wohl daran, dass wir uns nicht mehr sehen. Wo bist du? Wann bist du? Und warum antwortest du mir nicht? Diese Fragen schreit man so in die Virtualität. Keine Antwort! Niemand da, der antworten könnte. Keiner weiß mehr wo er ist und wann und was eigentlich.

9.
Selbstbewusstsein und virtuelles Selbstbewusstsein streiten sich um die Herrschaft im Gehirn. Der Körper stört die Virtualität und wird sich selbst zum Problem. Wieso kann Ich kein Bit sein, weil dann Ich und Bit dann nichts mehr sind. Also bleib ich Ich und Ich-Bit. Duplizität des Ich. Postmoderne Schizophrenie. Ich-Bit kann viele über all sein, Ich nur viele in einem Körper, an einem Ort, in einer Zeit. Und wer von euch Vielen ist das Stärkste? „Ich“, tönt es aus allen Ecken und ganz leise nur flüstert jemand „Du“. Wie war nochmal mit Ich und Du? Vorhin war alles klar, aber das ist schon hunderte von Jahren her, wie sollen wir uns da jetzt noch dran erinnern. Du war das Objekt, dass ich nicht mit Geld bezahle, oder? Nein, irgendwie geht dieses Kalkül nicht auf.

10.
Offensichtlich kann ich immer noch nicht rechnen, geschweige denn schweigen. Also, wenn alles Tausch ist, dann sind Ich und Du Tauschobjekte. Aber von wem? Wir wissen plötzlich nicht mehr wer hier was gegen was tauschst. Vielleicht bekommt Du das Ich und Ich das Du und am Ende des Tausches steht DU/ICH und ICH/DU. Aber wie kann man Ich geben und Ich behalten? Ist Ich unendlich? Und was ist Du? Von den Anderen möge man an der Stelle vielleicht gar nicht anfangen, aber wahrscheinlich gehören sie hierhin. Die Anderen, das ist nicht Ich, das ist nicht Du, könnte beides aber jederzeit sein. Und womöglich werden die Anderen irgendwann mal Du, aber aus meiner Perspektive niemals Ich. Ganz so stimmt das auch nicht, einen Teil der Anderen nehme ich auf. Ich esse ihn, verleibe ihn mir ein, stelle ihn neben Es. „Hallo Es“, du lustiger kleiner Clown, schade das du nicht sprechen kannst, weil du soviel willst und vor lauter Wolllust das Sprechen verlernt hast. Hier sind die Anderen, nicht in Person nur in Gedanken, für Ich sind sie erstmal uninteressant, aber vielleicht magst du mit ihnen spielen. Ein kleines Duell vielleicht. Zum Glück seit ihr unsterblich und könnt euch in jedem Augenblick neu erschießen. Du ist auch noch dabei, irgendwie einer der Anderen, aber doch irgendwie stärker. Präsenter, fast schon bewusst. Ich schaut nach Innen und nach Außen und sieht überall nur die Anderen und Du, aber wo ist Ich. Ist Ich gar nicht da? Aber was schaut dann? Ich beginnt sich zu drehen, immer schneller, will sich einfangen, der Kreisel gerät in Bewegung. Jetzt sieht es aus als wäre Ich ein Hund den man eine Wurst an die Rute gebunden hätte. Als Katze hätte Ich sich schon längst selbst in den Schwanz gebissen und sich verbissen weiter gedreht. Menschen machen das anders. Sie schauen in den Spiegel, sehen sich, aber Ich sehen sie nicht.

„Ich“ als zentrale Randfigur

Das von Descartes unzweifelhaft als zweifelndes Ich gerettete Ich und die durch Gott garantierte Welt, hält der Moderne, spätestens nach dem Nietzsche proklamiert „Gott ist tot“, nicht stand. Alle Versuche das Ich rein vernünftig zu retten, führen letztlich, über Kant, in in die Dialektik der Aufklärung und die Erfahrung von Ausschwitz macht die Unzulänglichkeit einer aufgeklärten Vernunft offensichtlich. Adorno weißt zu Recht darauf hin, dass die reine Vernunft die Position Gottes nicht adäquat ersetzen konnte und statt ins Paradies den Menschen in die Hölle der technischen Barbarei führte. Auch Foucault weißt in der Ordnung der Dinge auf die noch junge Geschichte des modernen Menschen hin, in dem er dessen Vergänglichkeit als Möglichkeit postuliert. Die Krise der Moderne ist so im wesentlichen auch eine Krise des Ich-Begriffs dieser episteme. Das zweifelnde Ich stellt somit eine unterbestimmte Figur da, welche im offenen Prozess der Postmoderne sein Transformation erlebt. Die offene Struktur alleine verleiht sich selbst durch ihre Offenheit als Objekt x, in der Darstellung Deleuzes, ihren objektiven Charakter.
(vgl. Gedanken zu „Ordnung der Dinge“)

Darum stellt sich in dieser Arbeit die Frage, wie ausgehend von einer Rekonstruktion der Welt, welche zwangsläufig mit der Dekonstruktion des descartischen Ichs einhergeht, sich eine postmoderne Struktur identifizieren lässt, welche in der Welt, die Eckpunkte des Ich, Du und die Anderen als intersubjektive Aktionspunkte zulässt, gleichzeitig aber das Ich in die Bestandteile des Es, Ich und Du auflöst.

Unter Rückgriff auf den Begriff der Postmoderne und die Idee des Strukturalismus eröffnet sich ein Feld, in dem Allgemeines und Besonderes in Interaktion treten, in dem das Subjekt wesentlich als Intersubjekt begriffen und verwirklicht wird.

„Der Augenblick der Postmoderne ist eine Art Explosion der modernen episteme, bei der die Vernunft und ihr Subjekt – als Platzhalter der „Einheit“ und des „Ganzen“ – in Stücke fliegen.“ (Wellmer 1985: 50)

Reflexionen zu Tod und Sinn

Das Leben als konstantes Sterben. Der Tod ist das unvermeidlich Ende eines inhaltlich offenen Prozesses. Was wird, war nicht und wird nicht sein. Als unvorstellbare Negation des Seins, erscheint der Tod als einzige Angst, die nicht eigentlich Furcht ist. In dem der Tod selbst nicht bestimmt werden kann, kann auch die Angst davor, sich nicht konkret fassen lassen und bleibt unauflöslich. Dann aber gilt es mit dieser Angst zu leben und sich das Leben durch diese Angst nicht madig machen zu lassen.

Nur weil wir sterben, verliert das eigene Leben als Ganzes nicht notwendigerweise seinen Sinn, sondern muss dieser Sinn selbst ins Leben zurück geholt werden. Ein den Tod überdauernder Sinn ist sinnlos. Was aber dem Leben Sinn verleiht, ist selbst wieder keine unsterbliche Macht, sondern der lebendige Mensch selbst. In dem die Sinnfrage nicht absolut, sondern individuell-konkret gefasst wird eröffnet sich das Reich der Freiheit nicht jenseits des eigenen Lebens sondern gerade darin. Absoluter universeller Sinn verschwindet zu Gunsten der eigenen Sinnstiftung, die selbst das Produkt eines sozial-historischen Prozesses, nämlich des eigenen Lebens ist und welcher sich die Sinnfrage selbst immer wieder aufs Neue stellen muss.

Unerheblich ist dann ob der jeweilige Sinn sich auf Tage, Monate, Jahre bezieht, da eben jeder Tag jeder Monat, jedes Jahr die Möglichkeit einer Reformulierung des eigenen Sinns beinhaltet. Mitnichten ist damit die Möglichkeit eines dauernden Sinn aufgehoben, nur muss sich dieser Sinn vor dem eigenen Leben in jeder Phase seiner Dauer vor sich selbst rechtfertigen lassen.

Schlägt dieser Versuch der Rechtfertigung fehl, so erscheint das Festhalten an diesem einmal bestimmten Sinn sinnlos. Wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine momentane Neubestimmung des eigenen Sinns letztlich wieder in den ursprünglichen Sinn formuliert werden kann.

Auch muss die Möglichkeit der Pluralität von Sinn angenommen werden. Was in einer Konstellation Sinn macht muss das nicht notwendigerweise in allen. Die Komplexität der Welt erfordert die Komplexität der Sinne, in seiner doppelten Bedeutung. Ob diese Sinne sich hierarchisch oder anarchistisch anordnen bleibt individuell. Selbst die Widersprüchlichkeit der Sinne muss als Möglichkeit in Betracht gezogen werden.



kostenloser Counter
Poker Blog