Alltag im prekären Leben

Leitkulturduell [Teil I]

Quotenrap gegen Ballermann

vs.

NIE WIEDER DEUTSCHLAND!

Kommunikationspolizisten

Mit Kommunikationspolizisten auf Demonstrationen ist es wie mit Clowns im Zirkus. Entweder misstraut man dem aufgemalten lachenden Gesicht, weil man ahnt, dass dahinter ein -im schlechtesten Fall trauriger- Mensch steckt, der doch nur seinen Job macht, um nach getaner Arbeit sein Kostüm abzulegen und seine Ruhe haben will, oder man lacht mit dem Clown, nur um dann von der hässlichen Wirklichkeit überrollt zu werden. Und legt der Clown seine traurige Maske auf, dann ist es fast noch schlimmer. Entweder man trauert mit ihm, weil man die Maskerade ernster nimmt als sie gemeint ist, oder man empört sich darüber, dass das reale Leid hier in aufgemalter Form dazu dienen soll sich darüber lustig zu machen.

Alle Jahre wieder…

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Erst wird sich an den unzähligen Weihnachtsmärkten mit Glühwein und Punsch dumm getrunken, dann im Shoppingwahn auch noch das bescheuerteste Gadget für die Lieben besorgt. Nachdem die Vorweihnachtszeit dann endlich vorbei ist, zieht ein Millionenheer heim zu Eltern, Freunden und Verwandten, um endlich mal wieder nett Familie sein zu dürfen. Die, die gestern noch fluchend über den Obdachlosen in der Einkaufsstraße fielen, fallen heute schon ihrer liebsten in die Arme. Glaubt auch keiner mehr ans Christuskind oder den Weihnachtsmann, so ist man doch überzeugt, dass es eine gute Idee wäre, dass vorchristlich-römische Wintersonnenwendenfest zu feiern. Oder mensch „verzichtet“ einfach auf die ganze Ideologie und bastelt sich stattdessen seine eigene kleine Pseudoideologie des „Festes der Liebe“. Und selbst die linkesten Linken schaffen es weitestgehend nicht dem Wahn sich zu entziehen und machen stattdessen mit ihr Kleingruppe, ihrem Lesekreis oder einfach ihrer WG ein nettes Essen mit anschließender Anti-Weihnachtsfeier. Wer es dann doch schafft der auf-oktroyierten Geselligkeit zu entziehen, den erschlägt das Fernsehen bis zur Besinnungslosigkeit mit Besinnlichkeit. Obwohl das Alleinsein wohl eine der verbreitetsten Lebensformen des modernden Menschen zu sein scheint, wird ihm selbst diese in diesen Tagen madig gemacht. Anstatt also die Tristesse des modernen Lebens mit all seinen barbarischen Elementen endlich anzuerkennen und damit letztlich auf die Müllhalde der Geschichte zu werfen, tröstet sich die Masse damit, doch wenigstens an diesen wenigen Tagen gute Miene zum bösen Spiel machen zu dürfen.

Advent, Advent, die Barrikade brennt!

Wer sich die unzähligen privat-veröffentlichten Videos anschaut und sich dann wundert, warum menschen vermummt auf Demos gehen, sich womöglich über die Überwachung durch die NSA beschwert, der scheint mindestens auf einem Auge blind. Wer auf der einen Seite schon Wochen vor Demonstrationen seinen Gewaltphantasien freien Lauf lässt, der Veranstaltung als noch vor ihrem eigentlichen stattfinden ein dementsprechendes Etikett aufklebt, darf sich dann auch nicht wundern, wenn Menschen der Stigmatisierung als Gewalttäterin zu entkommen versuchen, indem sie eben nicht erkenntlich sind.
Auch erscheint, dass wer die Frage stellt, wer denn angefangen hat, die schlechte Alltäglichkeit auf das Spektakel verkürzt. Weder sind die Demonstrantinnen gestern erst radikal geworden, noch trafen sie auf eine unschuldige und unvorbereitete Polizei. Wer da den Anfang sucht, kommt aus dem Suchen nicht mehr heraus. Wahr ist, dass eine radikale Politik, die sich als antistaatlich versteht, das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellt. Ob dies besser durch ein wie auch immer geartetes Wurfgeschoss oder durch die Überflüssigmachung der Gewalt geschieht, bleibt erstmal unbeantwortet. Revolutionäre Träume sind, wie nebenbei alle anderen Träume, nicht klinisch und steril. Der Traum vom freien Leben aller Menschen stösst eben dort an Grenzen, wo die anderen die Unfreiheit der Einen als die Bedingung der Möglichkeit ihrer Freiheit begreifen – und das Eigentum an Wohnraum ist mit Sicherheit eines der alltäglichen Beispiele, wo dies ziemlich leicht offensichtlich werden könnte. Dass Flüchtende um einer Unfreiheit zu entkommen, an den Grenzen der anderen Unfreiheit ertrinken, verschäft diesen Widerspurch zur Lebensgefahr – wenngleich einstürzende Altbauten nicht weniger Lebensgefährlich sind. Doch, weder wird die Freiheit aller an, auf oder um die Flora erkämpft, noch darf sie davor geopfert werden. Vorzuwerfen bleibt den staatlichen Behörden, dass sie selbst sich nicht an die Regel halten, für deren Aufrechterhaltung sie das ihnen zugewiesene Gewaltmonopol einsetzen. An diesen Widersprüchen gilt es die Widersprüche im Ganzen zu entfalten, ohne zu vergessen, dass es mal um mehr als um das Ganze ging.

Abschliessend gilt es Tränen trocknen, Weihnachtsbaumkugeln klauen und das nächste Mal die Welt ein bisschen bunter gestalten!

Mensch und Technik

Wahr und im gleichen Maße banal bleibt die Aussage, dass Technik nicht nur unsere Umwelt sondern auch uns beeinflusst. Dann aber bliebe die Frage, welche Konsequenzen dies für die Möglichkeit der Subjektwerdung, dialektisch verstanden ja gerade der Ausdruck des Unterworfenseins und Unterwerfens, haben wird. Ebenfalls dialektisch verstanden wäre das Eingedenken der eigenen Unterwerfung wohl einzig der Ausweg dieser zu entkommen.

Vom Ausschluss

Ich schloss mich aus. Zum ersten Mal stand ich vor der Tür und alle Schlüssel waren dahinter. Doch mit dem Gefühl kenne ich mich aus. Es ist eben doch nicht das erste Mal ausgeschlossen zu sein. (mehr…)

Der automatisierte Mensch

Der Mensch am Automaten wird zum Automaten. (mehr…)

Im Hier und Jetzt 2012

Jede Welle eine neue Chance
Jede Chance ein neues Leben
Jedes Leben eine neue Welle,
die irgendwann bricht.

Die Le(e/h)re aus der Le(e/h)re ist die Melancholie des Verlassenen, von niemandem verlassen und trotzdem alleine, weil ich niemals darin war, sondern immer nur am Rand. Leben als zentrale Randfigur. Verliere ich nun die Figur, deren Rand ich beschritt, so rücke ich selbst ins Zentrum zurück. Ein Zentrum ohne Richtung, ohne Ziel, mit der „fast unlösbaren Aufgabe […]“ mich „[…]nicht dumm machen zu lassen“1 und weshalb gilt, „weitermachen“2 zu müssen. Nach und nach brechen die letzten Fetzen der vergangenen zwei Wochen auf. Ich blieb zurück, bleibe zurück. Eine Selbstentscheidung gegen die Alltäglichkeit, wird so zu einem Ding, welches umso fester weggeworfen, umso härter zurück schlägt. Manchmal nur ein Gespräch, nur ein Satz, nur ein Wort und all die alten, längst verschlossen geglaubten, Wunden reißen wieder auf und bluten umso heftiger. Dass ich nicht alle retten könnte, habe ich längst verstanden, aber dass ich manchmal nicht einmal mich selbst retten könnte, kann ich nicht akzeptieren. Was mir bleibt, ist nicht weniger als ein Trümmerfeld voller schöner Erinnerungen, aus denen ich bis zur Erschöpfung schöpfe. Ein Werbegeschenk des Lebens, bei dem der Skeptiker in mir den Betrug schon wittert, wo die Hoffnung noch die Rettung erblickt. Unendliche Wellen oder pointierte Teilchen? Wie hängt das alles zusammen, wenn es zusammenhangslos nebeneinander steht? Es scheint als hätte ich vergessen, ob die Bedeutung in den Menschen, Dingen und Prozessen liegt oder doch nur in der Perspektive auf all das. Wäre Ersteres der Fall so bliebe mir von alldem nicht mehr als Erinnerung, der verzweifelte Versuch festzuhalten, was einmal war, nun aber längst schon vergangen ist. Erwiese sich Zweiteres als richtig, so wäre nun erst der Raum und die Zeit all das in mich einzuweben, mich transformieren zu lassen und eben als Neues in die Heimatlosigkeit zurückzukehren. Der Insel den Rücken zu zu kehren, könnte dann bedeuten, dass es keine Rückkehr gibt, sondern nur ein neues Erwachen, in einem neuen Leben, auf den Trümmern der alltäglichen Vergangenheit. Diese Neue, das nun unsichtbar vor mir flieht, fliegt, liegt, gilt es zu erkunden und mich selbst ihm auszuliefern. Die Zukunft ist ein unbeschriebenes Blatt, zumindest dann, wenn man zwischen den Buchstaben lesen kann.

Z U K U N F T4

Genug Platz also ein neues Kapitel, in einem neuen Buch, über ein neues Leben, zu schreiben. Füller füllen und einfach losgeschrieben:

Juist ist, was du daraus machst“3 und vor allem: „Ju.ist (,) eine Insel!“
[…]

  1. T.W. Adorno „Minima Moralia“. [zurück]
  2. Grabinschrift auf dem Grab von Herbert Marcuse. [zurück]
  3. Zitat aus diversen Vorträgen und Reden im Kontext des Kurses. [zurück]
  4. An dieser Stelle herzlichsten Dank an alle Teilnehmer, Begleiter, Berater und das Team. [zurück]

Trümmer

„Ein Festung aus Glas
mit Scherben bis zu den Knie.“

Du sagtest du wolltest sie putzen und ich warnte dich noch, dass darunter nur Abgründe sein. Du wolltest dich nicht abhalten lassen, zumindest war es das, was du sagtest, bevor du im nächsten Augenblick den Rest der Festung zertrümmertest und nun stehe ich bis zur Brust im Scherbenhaufen. Jeder Schritt ein Schnitt, ein Wunde mehr auf der Narbenkarte, die nie heilt. Tief unter den Scherben mein Iglu aus Glas, aus dem ich nicht mehr rausfinde, weil ich noch mehr Wunden nicht ertrage. Ich sammel kleine Scherben, zu klein für das Iglu, und ramm sie mir unter die Haut. Vielleicht wird so aus der Festung aus Glas noch ein Glasrüstung.

Refrains oder was davon übrig blieb…

Aussen Bordstein, Innen Fetzen
und dazwischen nur die Wut
und das Blut
das aus unseren Mägen spritzt.

Das ist die Autobahn der kleinen Leute
immer hoch, immer runtern,
aber niemals zum Ziel

Das ist das Paradies der kleinen Leute
immer mittendrin,
im Nirgendwo



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