Archiv für Dezember 2013

Zitate

Zitate sind häufig Masken.

Ruinen

Wehe deshalb der Kirche und wehe deshalb dem Staate. Pessimistische Begriffe von oben und Proletarierfäuste von unten vollenden den Ruin, indem sie auch die Trümmer des alten Bauwerks noch zertrümmern.

Ey Ordnungsamt, mach mein Späti nicht an!

War ich am 26. Dezember noch irritiert warum kein Späti im Kiez auf hat, erfuhr ich heute, dass das Ordnungsamt eine ‚Offensive‘ gestartet hat und Spätibetreibern mit Strafen droht, falls diese Weiterhin an Sonn- und Feiertagen offen hätten. Damit greift das Ordnungsamt bewusst oder unbewusst die Grundpfeiler Berliner Stadtkultur an. Ob dieses Vorgehen auf Neukölln beschränkt ist oder nicht weiß ich leider nicht, doch ganz unabhänig davon, ist dieser Übergriff christlichen Dogmatismus in das Leben der hier wohnenden Menschen nicht hinzunehmen. Zum einen bedroht diese Maßnahme das ökonomische Überleben vieler Spätis und zerstört damit die Existenzgrundlage ihrer Betreiber und Angestellten, zum Anderen entmündigt es uns als Menschen.

Auf dieses repressive Vorgehen kann es nur eine Antwort geben:

„Nehmt ihr uns die Spätis ab, machen wir die City platt!“

Netze

Auch die Knoten im Netze meinen wohl, sie sind die Hauptsache im Netze, aber das ganze Netz will mehr sagen, als alle seine Knoten. Entfalte die Knoten, so sind sie selber kleine Netze, und das ganze Netz der Welt ist nur ein ausgefalteter Knoten.

Superdogmatismus

Ein Hirn in Flammen entzündet keine Herzen.

Alle Jahre wieder…

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Erst wird sich an den unzähligen Weihnachtsmärkten mit Glühwein und Punsch dumm getrunken, dann im Shoppingwahn auch noch das bescheuerteste Gadget für die Lieben besorgt. Nachdem die Vorweihnachtszeit dann endlich vorbei ist, zieht ein Millionenheer heim zu Eltern, Freunden und Verwandten, um endlich mal wieder nett Familie sein zu dürfen. Die, die gestern noch fluchend über den Obdachlosen in der Einkaufsstraße fielen, fallen heute schon ihrer liebsten in die Arme. Glaubt auch keiner mehr ans Christuskind oder den Weihnachtsmann, so ist man doch überzeugt, dass es eine gute Idee wäre, dass vorchristlich-römische Wintersonnenwendenfest zu feiern. Oder mensch „verzichtet“ einfach auf die ganze Ideologie und bastelt sich stattdessen seine eigene kleine Pseudoideologie des „Festes der Liebe“. Und selbst die linkesten Linken schaffen es weitestgehend nicht dem Wahn sich zu entziehen und machen stattdessen mit ihr Kleingruppe, ihrem Lesekreis oder einfach ihrer WG ein nettes Essen mit anschließender Anti-Weihnachtsfeier. Wer es dann doch schafft der auf-oktroyierten Geselligkeit zu entziehen, den erschlägt das Fernsehen bis zur Besinnungslosigkeit mit Besinnlichkeit. Obwohl das Alleinsein wohl eine der verbreitetsten Lebensformen des modernden Menschen zu sein scheint, wird ihm selbst diese in diesen Tagen madig gemacht. Anstatt also die Tristesse des modernen Lebens mit all seinen barbarischen Elementen endlich anzuerkennen und damit letztlich auf die Müllhalde der Geschichte zu werfen, tröstet sich die Masse damit, doch wenigstens an diesen wenigen Tagen gute Miene zum bösen Spiel machen zu dürfen.

Advent, Advent, die Barrikade brennt!

Wer sich die unzähligen privat-veröffentlichten Videos anschaut und sich dann wundert, warum menschen vermummt auf Demos gehen, sich womöglich über die Überwachung durch die NSA beschwert, der scheint mindestens auf einem Auge blind. Wer auf der einen Seite schon Wochen vor Demonstrationen seinen Gewaltphantasien freien Lauf lässt, der Veranstaltung als noch vor ihrem eigentlichen stattfinden ein dementsprechendes Etikett aufklebt, darf sich dann auch nicht wundern, wenn Menschen der Stigmatisierung als Gewalttäterin zu entkommen versuchen, indem sie eben nicht erkenntlich sind.
Auch erscheint, dass wer die Frage stellt, wer denn angefangen hat, die schlechte Alltäglichkeit auf das Spektakel verkürzt. Weder sind die Demonstrantinnen gestern erst radikal geworden, noch trafen sie auf eine unschuldige und unvorbereitete Polizei. Wer da den Anfang sucht, kommt aus dem Suchen nicht mehr heraus. Wahr ist, dass eine radikale Politik, die sich als antistaatlich versteht, das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellt. Ob dies besser durch ein wie auch immer geartetes Wurfgeschoss oder durch die Überflüssigmachung der Gewalt geschieht, bleibt erstmal unbeantwortet. Revolutionäre Träume sind, wie nebenbei alle anderen Träume, nicht klinisch und steril. Der Traum vom freien Leben aller Menschen stösst eben dort an Grenzen, wo die anderen die Unfreiheit der Einen als die Bedingung der Möglichkeit ihrer Freiheit begreifen – und das Eigentum an Wohnraum ist mit Sicherheit eines der alltäglichen Beispiele, wo dies ziemlich leicht offensichtlich werden könnte. Dass Flüchtende um einer Unfreiheit zu entkommen, an den Grenzen der anderen Unfreiheit ertrinken, verschäft diesen Widerspurch zur Lebensgefahr – wenngleich einstürzende Altbauten nicht weniger Lebensgefährlich sind. Doch, weder wird die Freiheit aller an, auf oder um die Flora erkämpft, noch darf sie davor geopfert werden. Vorzuwerfen bleibt den staatlichen Behörden, dass sie selbst sich nicht an die Regel halten, für deren Aufrechterhaltung sie das ihnen zugewiesene Gewaltmonopol einsetzen. An diesen Widersprüchen gilt es die Widersprüche im Ganzen zu entfalten, ohne zu vergessen, dass es mal um mehr als um das Ganze ging.

Abschliessend gilt es Tränen trocknen, Weihnachtsbaumkugeln klauen und das nächste Mal die Welt ein bisschen bunter gestalten!

Hypno-Adorno

Mensch und Technik

Wahr und im gleichen Maße banal bleibt die Aussage, dass Technik nicht nur unsere Umwelt sondern auch uns beeinflusst. Dann aber bliebe die Frage, welche Konsequenzen dies für die Möglichkeit der Subjektwerdung, dialektisch verstanden ja gerade der Ausdruck des Unterworfenseins und Unterwerfens, haben wird. Ebenfalls dialektisch verstanden wäre das Eingedenken der eigenen Unterwerfung wohl einzig der Ausweg dieser zu entkommen.



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