Der automatisierte Mensch

Der Mensch am Automaten wird zum Automaten. In einer Bewegung der Entwertung der Welt wird der Automat zur Ersatzwelt. Geld und Selbst verlieren, zu Gunsten der mechanischen Dynamik, ihre Bedeutung. Was zählt, ist das Fortlaufen der Maschine. Dass sich die Teile des Automaten drehen wird zum letzten Ziel. Ihre Bewegung erzwingt den eigenen Stillstand. Das Telos ist die Wiederkehr des Immergleichen. Durch den Mythos des großen Gewinns gerät das Individuum in den Arm des Einarmigen; seinen festen und erbarmungslosen Griff. An die Stelle der Produktion tritt die Prokrastination. Der Zuschauer bestätigt den „Spieler“, macht ihn zum Spektakel. Nun tritt er in eine doppelte Abhängigkeit ein. Maschine und Spektakel scheinen von ihm und seinem Glück abzuhängen, wodurch es dem entwerteten Selbst gelingt sich ins Allmächtige zu träumen. Die Zeit wird, relativ zur Raserei des Automaten, scheinbar verlangsamt, während sie in Wirklichkeit unerbittlich verrinnt. Das eigene Raum-Zeit-Kontinuum verweigert dem Realitätsprinzip seinen Dienst. Hier wird der Cyborg zum Alptraum, der der Zombie immer schon war. Die Leblosigkeit wird vom Rausch und dem vorbeirauschen der Spielräder, ihrem Leuchten und dem Blinken ihrer Zeichen übertüncht. Irgendwie ähnelt es dem Rausch, mit seiner unbedingten Glückseligkeit. Unbedingt weil ihr jegliche materielle Basis fehlt. Begrüßenswert nur um eben diesen utopischen Traum einer Welt in der jeder Mensch glücklich sein könnte, wenngleich die Passivität des Rausches, die Verwirklichung, die nur aktiv erreicht werden könnte, im selben Augenblick in dem jener diese entfaltet torpediert. Diese Dialektik des Rausches gleicht der der Aufklärung. War diese eine menschliche Utopie und ihr Scheitern, ist jene eine subjektive. Das Subjekt, von der Aufklärung enttäuscht, wiederholt diese Enttäuschung an sich selbst. In der Illusion der Aneignung verhaftet, verinnerlicht sich die Angst vor der Möglichkeit einer wirklichen Emanzipation. Angst und Scheitern erzwingen so die Wiederholung der gescheiterten Befreiung.

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3 Antworten auf „Der automatisierte Mensch“


  1. 1 JK 01. Dezember 2012 um 10:58 Uhr

    hey S

    hier ist ein Link
    http://www.youtube.com/watch?v=vET9cvlGJQw

    ciao ;)

  2. 2 esichdu 14. Dezember 2012 um 11:04 Uhr

    herzlichsten Dank!
    und all die unbeantworteten emails seien mir verziehen…

  3. 3 esichdu 14. Dezember 2012 um 11:08 Uhr

    Das Video erinnert mich an Wittgenseins „Über Gewissheit“

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