Archiv für Juni 2011

Sehr kurze Reflexion zum Cyperwar

Im gleichen Moment in dem medial die Aufstände in Nordafrika als Zeichen einer neuen modernen Umgangs mit den technischen Mitteln des digitalen Zeitalters celebriert werden, rüstet man sich im Inneren für den scheinbar bevorstehenden Cyberwar. Was draußen erwünscht, wird drinnen bekämpft. Was sich hierin zeigt, ist eine Asymetrie der modernen Freund- / Feindunterscheidungen, im Carl Schmitt´schen Sinne. Zu Fragen bliebe dann aber, ob wir nicht gerade an dem Punkt stehen, an dem die digitale Technik ihr bisherige Scheinneutralität verlässt und gerade auf dem „Schlachtfeld Internet“ politisch wird. Plötzlich stehen sich Masse und Individuum , Masse und Masse, Individuum und Individuum mit neuen Möglichkeiten der modernen Kriegsführung gegenüber und die Frage nach der politischen Einheit, welche auf diesem Feld Freund und Feind unterscheidet, muss vielleicht neu gestellt werden. Begreifen wir diese Potenz nicht nur als Gefahr, sondern als Chance, Schicksal oder Aufgabe, so sind wir aufgefordert uns diesbezüglich zu Ver- oder Enthalten. So oder so gilt sich dem Gejammer eines „Früher war alles besser, sicherer, schöner oder was auch immer“ zu enthalten.

Heute!

Nazikundgebung verhindern

Wie ich mein Zimmer in eine U- / S- Bahn verwandelte

Ein kleine Geschichte am frühen Morgen. Wie ein Geistesblitz, ein Zeichen aus den Tiefen eines Textes von Max Bense, erfasste mich heute die Erkenntnis meiner Langsamkeit, die wenngleich auf den ersten Blick als probates Mittel der modernen, fast schon postmodernen, Beschleunigung zu entgehen, mir doch immer wieder nur das Gefühl des Abgehängtseins übrig ließ. Der Anfang dieser Geschichte des Lesen mit angezogener Handbremse bildet der alltägliche Weg in die Universität. Denn als Student, der gezwungen ist mit seiner Zeit ökonomisch zu haushalten, wie mir letztens erst wieder von einem meiner Professoren nahe gelegt wurde, gelingt es mir nur den alltäglichen Textkörper adäquat zu erfassen, wenn ich nahe zu jede Gelegenheit nutze um zu lesen. Also ist auch der Weg zur Universität ein Leseweg, wenngleich, was mir gerade erst wie Schuppen von den Augen fiel, dieser natürlich Hindernisse und Gefahren mit sich bringt. Keine Gefahren wie sie die schweizer Alpen für einen Urbanisten bereithalten, sondern eben urbane Gefahren und Hindernisse. Beginnen von der Möglichkeit des Lesens im Stehen, was eine fast schon olympische Disziplin unter Lesenden darstellt, über die ständige Gefahr der Ablenkung durch die menschlichen Texturen oder der graffitiesken Zeichen der modernen Konsumgesellschaft, bis hin zu, und das stellt das größte Hindernis für lineare, oder eher linierende, also unterstreichende Leser dar, dem ständigen Ruckeln und Zuckeln des U- / S- Bahngefährts selbst, was mich immer wieder an der Schönheit eines gerade Unterstriches verzweifeln ließ. Nach langer Leidensphase, die dadurch hervorgerufen wurde, dass manche Unterstriche ganze Absätze, fast bis zur Unkenntlichkeit, durchstrichen, began ich eine neue Ästhetik des Unterstrichs zu entwickeln; den sogenannten Linien/Wellen – Dualismus. Dieser leistete mir seither scheinbar gute Dienste. Bis heute, als ich erkannte, dass dieser, in U- / S-Bahnen entwickelte und da durchaus funktionale Linien/Wellen -Dualismus, sich in meinem alltäglichen Lesen als dysfunktional heraustellt. Ich hatte durch die universale Applikation des Linien/Wellen -Dualismus meinen gesamten Lesealltag in eine U- / S- Bahnlesesituation verwandelt. Dementsprechend veränderte sich auch meine Lesegeschwindigkeit und meine Aufnahmefähigkeit. Heute also kehre ich der universallen Unterstrichästhetik zugunsten einer Lesesitutation_Unterstrichspielabhängigen Ästhetik den Rücken und erkenne an, dass jede Lesesituation ihren eigenen Unterstrich fordert.

____________/\/\/\/\/\/\__________ (Linien/Wellen -Dualismus)
________________________________ (klassischer Unterstrich)
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usf.

Es gibt so viele Unterstriche wie es Unterstreichsituationen gibt…

Für die Diversität der Unterstriche!



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