Archiv für Juni 2010

Nietzsche und die Frage wie aus dem Ei das BioEi werden könnte

Dieser kurze Text beschäftigt sich mit der Frage, was Nietzsche jenseits von Gut und Böse gewollt haben könnte. Eine Frage, die sich, mit Rückgriff auf weniges und noch weniger, auf eine komische Art und Weise beantworten lässt. Ausgangspunkt meinerseits ist die Beschäftigung mit der Genealogie der Moral, im wesentlichen eine Geschichte von Bäumen, Gesichtern und anderen Deformierungen der Menschheitsgeschichte. Mitnichten will ich davon abraten das Buch zu lesen, sondern im Gegenteil dazu auffordern es zu lesen, aber dabei ganz im Sinne Nietzsches die Heiterkeit nicht zu vergessen. Ich werde im Folgenden ein vielleicht abwegiges Bild zeichnen, dessen Wirksamkeit nicht einmal behauptet werden kann, sondern sich wenn nur darin zeigt, dass es überzeugt oder wenigstens belustigt.

Ausgangspunkt unseres kleinen Textes ist die Entdeckung des Ei im Leib. Dieser Leib, der nebenbei durch die Übersiedlung der Wassertiere und der Unterdrückung ihrer Begehren an Land, eine Seele, mit See und Tiefe, bekam, stellt für Nietzsche eine zentralen Bezugspunkt für die alte und neue Umwertung der Werte dar. Was mich aber an der ganzen Problematik mehr interessiert, ist wie es sich mit dem Ei verhält und ob sich vielleicht daran zeigen lässt, was uns nach der erneuten Umwertung der Unwerte blühen könnte, welche Frucht ein so gewachsener Baum tragen könnte. Dies ist wesentlich mit der Frage verhaftet, wie aus dem Ei ein Bio-Ei werden konnte.

Begreifen wir die Leiblichkeit der „blonden Bestie“ nämlich als ein solches Natur-Ei, dann erscheint uns die Erkrankung durch das Christentum im wesentlich durch die Denaturalisierung des Ei, im Zuge einer, auch ökonomischen, Rationalisiserung, als die Verlagerung der Entstehung des Ei vom Boden hin zur Legebatterie, als welche Nietzsche scheinbar seine eigene Zeit begreift. Das vornehme Ei ist aus dem Leib verschwunden, statt dessen gibt es nur noch das Legebatterie-Ei im Brot, dass dann auch noch als Leib Jesu Christi an alle möglichen Menschen verteilt wird und diese offensichtlich krank macht. Diese Krankheit nun schon seit mehr als zweitausend Jahren, und an dieser Stelle sei zugegeben, dass es die Legebatterie, wie wir sie kennen, wohl solange doch noch nicht gibt, durch ungesunde Eier im Brot verbreitet, muss doch irgendwann wieder geheilt werden. Das hofft zumindest Nietzsche und ein bisschen mag man mit ihm hoffen, insofern man die unmenschliche Menschlichkeit dieser Haltung anerkennt, eben weil man selbst so ein verseeltes Ei ist.

Wie aber sollen wir uns diese Heilung vorstellen und bedeutet diese Heilung wirklich ein „zurück zur Natur“ wie manch einer meinen mag. Ich denke, dass wir uns an dieser Stelle eben klar machen müssen, dass die Rückführung der Ei-Produktion auf den Boden zurück eben das Ei verändert. Das Ei der Freinlandhaltung ist dann zwar wieder auf dem Boden der Leiblichkeit angekommen, ist nun aber nicht einfach wieder Ei, sondern Bio-Ei und das ist vernünftig. Auch der Leib des, wie auch immer gedachten, Übermenschen, Antichristen und Antinihilisten ist gesund und bio. Dieser Bioleib verdankt sich aber eben nicht einer physiologischen Deformierung seines Leibes, sondern einer veränderten Haltung zu eben diesem Leib aufgrund der Beseelung und der Anerkennung einer Sozietät von Hühnern, die sich im Freiland eben endlich wieder begegnen können. Insofern steht also jenseits der Legebatterie eine Gesellschaft von Freilandhühnern mit vernünftigem Bioleibern und -Ei. Eine Sozietät aktiver Anerkennung der Bedingung der Möglichkeit ihrer Befreiung, im besten Fall, und für Nietzsche der scheinbar einzige, Selbstbefreiung!

Nie wieder Legebatterie,
für das vernünftige Ei
und was daraus erwächst.

Die Kunst kann zeigen, wovon sich nicht sprechen lässt…

„7. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“
(Ludwig Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus)



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