Archiv für April 2009

Farben

Postmoderner Ausfluss (Teil I.)

1.
Wo fängt alles an und wohin führt das? Wer hat die Information oder was ist die Information? Können Informationen tanzen? Die Postmoderne will das Zeichen zum Tanzen bringen. Ein Zeichnen als Aufforderung zum Tanz. Der Binärcode beginnt zu hüpfen. Zwischen 1 und vielen Möglichkeiten entwickelt sich ein Bild, das es nach Belieben auszumalen gilt. Da keiner alle Farben kennt, weiß keiner wie das Bild der Anderen aussehen könnte, noch ist die Vollständigkeit der Möglichkeiten denkbar. Jede Farbe erzeugt Kontrast, der selbst wieder die Farben kontrastiert. Immer wieder inne halten anschauen, mit Bedacht die nächste Farbe wählen, vielleicht auch einfach drauf los. Ein Wirbel von Beschleunigung und Abbremsung.

2.
Die wunderbare Welt der Dramödie öffnet ihre Tür. Wer über das Drama nicht lachen kann ist Opfer seiner eigenen Identifikation. Und wer mit der Komödie lacht ebenfalls. Aus der Dissimulation gibt es kein Entrinnen. „Widerstand ist zwecklos!“ Um so mehr man sich aus dem Kreis raus bewegen will, umso schneller dreht sich der Kreisel um seine eigene Achse. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist nur eine Einstülpung in Raum und Zeit. Der Gedanke der sich daran abarbeitet, verarbeitet sich selbst, in Scheiben und Stückchen. Nur wer die Wurst aus der Mitte heraus verspeist, trifft ihre beiden Enden womöglich gleichzeitig. Was zählt ist die Intensität des Augenblicks, die sich im nächsten schon vergisst. Doch ohne Gedächtnis bleibt kein Ich, nur ein Körper der in jedem Moment Ich sein könnte, es sobald er es wird, aber wieder vergessen muss, da Ich niemals Ich bin. Statik ist modern. Und da ist wieder der Kreisel der sich im drehen doch von der Stelle bewegt. Gleichzeitig sich um die selbe Achse drehen und doch den Ort der eigenen Achse wechseln. Der Kreisel erscheint an dieser Stelle also als der Inbegriff der zentralen Randfigur, als die jeder Einzelne seine Verortung erarbeiten muss.

3.
Das Netzwerk wird zum Schaumbad. Auf der Suche nach der Konstanten verlaufe ich mich in der Potenz. Meine Nerven spielen Krieg, Bürgerkrieg, Nervenkrieg. Ein Feuerwerk der Aktionspotentiale torpediert den klaren Gedanken und zerschlägt ihn in Fragmente eines Puzzles, dessen Rekonstruktion ohne Rand verläuft. Verkauft und Verraten oder Laufen und Warten. Von einem Fuß auf den anderen ohne den Kontakt zu verlieren. Kontakt zu was? Die Intensität der Reibung der Monaden stellt die Konstante hinter den Potenzen dar. Nur wo sich irgendwas reibt, verändert sich auch etwas. Etwas, bestimmt und unbestimmt.

4.
Plötzlich zieht einer die Brille auf, Perspektivenwechsel. Das scheinbar klarere Sehen verstellt die Perspektive, die Informationen hören auf zu tanzen. In Reihe und Glied verlieren sie ihren Sinn. Bedeutungsvolles Nichts! Dieser Brillenträger baute Legoburgen immer nur nach Anleitung, ohne Anleitung keine Burg. Und er braucht diese Burg, den draußen lauern Gespenster. Der Kommunismus kauert jenseits des Burggrabens. Die Freiheit heult laut vom Berg gegenüber. Und so mauert und mauert es an der Burg, doch die Isolation bedeutet letztlich den Tod und sie gelingt nie. Der Wind lacht unseren Brillenträger aus. Das Leid lässt sich nicht überwinden, nur ertragen. Versteck dich nicht hinter deinem Glasbausteinen. Das was du Wahrheit nennst, nennt dich einen Feigling! Doch ich will dem armen Brillenträger nicht zu sehr auf den viel zu engen Schlips treten, den er wirft immer wieder Spielzeug aus der Burg. Die Technologie die die Mauern zieht wird irgendwann überholt und auf den Abfallhaufen des Marktes geschleudert.

5.
Kaufen, Kaufen, Kaufen. Ich bezahle nicht in Geld, sondern mein Geld ist ein Danke. Und dein Lächeln der Mehrwert, der die Kosten-Nutzen-Rechnung zerschlägt. Kein Geiz, kein Neid, kein Grund zum Sparen. Meine Währung ist unendlich und ich flute eine Welt damit. Keine Arche Noah zwingt die Tiere mehr zur Paarung. Sie ersaufen alle, nur Tod sind sie nicht. Mein Danke kann man atmen, wer darin ertrinkt, ist selber schuld. Und die Schuld ertrinkt mit ihm mit.

6.
Die Reste werden von einer Sonneneruptionen hinweggefegt. Aus der Asche gebärt sich der Phönix und zu Asche wird er wieder werden. Mit wem werden wir sprechen, wenn kein Telefon mehr klingelt und die virtuelle Briefkasten in Urin getränkt alle Briefe in eine Buchstabensuppe verwandelt. Vielleicht wachsen uns dann wieder Krallen oder ein weiches Fell ersetzt die harte Schale. Ich schweife ab. Vielleicht hat die Brillenschlange doch Recht und ihr Apfel ist die Virtualität. Schon wieder fliegt der Mensch aus dem Paradies oder schleudert er sich womöglich durch die Reproduktion der Erbsünde wieder hinein. Ein Garten aus Bits und Bytes! War das Paradies je was anderes? Am virtuellen Charakter hat sich wahrscheinlich wenig geändert und darin leben keine Menschen, kein Adam und keine Eva, selbst Lillith war niemals wirklich da. Nur die Gott und ihre Tiere. Erst mit dem Rauswurf beginnt das Sprechen und der Mensch. Der erste Schmerz, das erste Wort. Der Schmerzensschrei wird erkannt, wir verstehen uns. Ein Lächeln vereint die Opfer. Dein Mitleid ist die erste Liebe der ersten Menschen. Liebe auf den ersten Ton, ob er nun ein Wimmern oder ein Schreien war. Tröstend nehmen wir uns in den Arm. Für einen kurzen Augenblick vergisst du und ich unsere Zweisamkeit im Traum der gemeinsamen Einsamkeit als Wir.

7.
Doch wieder dreht sich der Kreisel weiter, deiner und meiner. Ein Drehen das Jahrtausende überdauert. Immer wieder stoßen Kreisel gegeneinander, ineinander, aufeinander, umeinander herum. Der eine oder andere bremst, bleibt stehen, fällt, bringt andere zum Fallen und plötzlich entsteht ein Krieg. Kreisel an Kreisel reibt sich, keine Achse verlässt mehr ihren Posten und selbst das Drehen fällt schwer. Die Hitze steht über dem Kreiselschlachtfeld, soviel Intensität. Im Rauschen kann man Lachen und Schreien nicht mehr unterscheiden. Die Moderne erträgt die Intensität nicht mehr. Die Welt wir zum Kühlschrank und der kalte Krieg erfunden. Aus der „zwischenmenschlichen Kälte“ entkommt keiner mehr. Die zentralen Randfiguren drängen sich an den Rand, doch der Rand selbst bietet keine Reibungsfläche.

8.
Mutig zurück in die Welt. Langsam das Sprechen wieder lernen, dann das Zählen. Plötzlich fängt das Rechnen an:

y=x^2 : auf der II. Ebene beträgt die konstante Steigung +2.
y=x^3 : auf der III. Ebene beträgt die konstante Steigung +6.
y=x^4 : auf der IV. Ebene beträgt die konstante Steigung +24.
y=x^5 : auf der V. Ebene beträgt die konstante Steigung + 120.

Wie geht das Rätsel weiter? Die Zahlen werden größer. Die Köpfe fangen an zu rauchen. Die Brille sucht die Regel und die Kopf tanzt mit den Zahlen. Was soll das eigentlich, fragt einer? „Das weiß ich erst, wenn ich die Regel gefunden habe“, sagt die Brille. Der Kopf lächelt zufrieden. Die Zahl schlägt wieder mal den Begriff, unbegriffen, einfach machen. Ach, wäre Sprechen auch nur so einfach, aber alle wollen immer Information. Das liegt wohl daran, dass wir uns nicht mehr sehen. Wo bist du? Wann bist du? Und warum antwortest du mir nicht? Diese Fragen schreit man so in die Virtualität. Keine Antwort! Niemand da, der antworten könnte. Keiner weiß mehr wo er ist und wann und was eigentlich.

9.
Selbstbewusstsein und virtuelles Selbstbewusstsein streiten sich um die Herrschaft im Gehirn. Der Körper stört die Virtualität und wird sich selbst zum Problem. Wieso kann Ich kein Bit sein, weil dann Ich und Bit dann nichts mehr sind. Also bleib ich Ich und Ich-Bit. Duplizität des Ich. Postmoderne Schizophrenie. Ich-Bit kann viele über all sein, Ich nur viele in einem Körper, an einem Ort, in einer Zeit. Und wer von euch Vielen ist das Stärkste? „Ich“, tönt es aus allen Ecken und ganz leise nur flüstert jemand „Du“. Wie war nochmal mit Ich und Du? Vorhin war alles klar, aber das ist schon hunderte von Jahren her, wie sollen wir uns da jetzt noch dran erinnern. Du war das Objekt, dass ich nicht mit Geld bezahle, oder? Nein, irgendwie geht dieses Kalkül nicht auf.

10.
Offensichtlich kann ich immer noch nicht rechnen, geschweige denn schweigen. Also, wenn alles Tausch ist, dann sind Ich und Du Tauschobjekte. Aber von wem? Wir wissen plötzlich nicht mehr wer hier was gegen was tauschst. Vielleicht bekommt Du das Ich und Ich das Du und am Ende des Tausches steht DU/ICH und ICH/DU. Aber wie kann man Ich geben und Ich behalten? Ist Ich unendlich? Und was ist Du? Von den Anderen möge man an der Stelle vielleicht gar nicht anfangen, aber wahrscheinlich gehören sie hierhin. Die Anderen, das ist nicht Ich, das ist nicht Du, könnte beides aber jederzeit sein. Und womöglich werden die Anderen irgendwann mal Du, aber aus meiner Perspektive niemals Ich. Ganz so stimmt das auch nicht, einen Teil der Anderen nehme ich auf. Ich esse ihn, verleibe ihn mir ein, stelle ihn neben Es. „Hallo Es“, du lustiger kleiner Clown, schade das du nicht sprechen kannst, weil du soviel willst und vor lauter Wolllust das Sprechen verlernt hast. Hier sind die Anderen, nicht in Person nur in Gedanken, für Ich sind sie erstmal uninteressant, aber vielleicht magst du mit ihnen spielen. Ein kleines Duell vielleicht. Zum Glück seit ihr unsterblich und könnt euch in jedem Augenblick neu erschießen. Du ist auch noch dabei, irgendwie einer der Anderen, aber doch irgendwie stärker. Präsenter, fast schon bewusst. Ich schaut nach Innen und nach Außen und sieht überall nur die Anderen und Du, aber wo ist Ich. Ist Ich gar nicht da? Aber was schaut dann? Ich beginnt sich zu drehen, immer schneller, will sich einfangen, der Kreisel gerät in Bewegung. Jetzt sieht es aus als wäre Ich ein Hund den man eine Wurst an die Rute gebunden hätte. Als Katze hätte Ich sich schon längst selbst in den Schwanz gebissen und sich verbissen weiter gedreht. Menschen machen das anders. Sie schauen in den Spiegel, sehen sich, aber Ich sehen sie nicht.

Frühlingsregen

Der Regen fällt
tropfend naß
vom Himmel herab
aus allen Wolken
auf alle Dächer
die Straßen feucht
blitzt funkelnd die Stadt.

Wittgenstein und Demonstrationen…

Wittgenstein schreibt über Demonstrationen:

Und eine Demonstration ist die für den, der sie als Demonstration anerkennt. Wer sie nicht anerkennt, wer ihr nicht als Demonstration folgt, der trennt sich von uns, noch ehe es zur Sprache kommt.

später geht es wie folgt weiter:

>>Du siehst doch – es kann doch keinem Zweifel unterliegen, daß eine Gruppe wie A wesentlich aus einer wie B und einer wie C besteht.< < - Auch ich sage - d.h., auch ich drücke mich so aus - daß die Gruppe, die du hinzugezeichnet hast, aus den beiden kleineren besteht; aber ich weiß nicht, ob jede Gruppe, dich ich eine von der Art (oder Gestalt) der ersten nennen würde, unbedingt aus zwei Gruppen von der Art jener kleineren zusammengesetzt sein wird. - Ich glaube aber, es wird wohl immer so sein (meine Erfahrung hat mich dies vielleicht gelehrt) und darum will ich als Regel annehmen: Ich will eine Gruppe dann, und nur dann, eine von Gestalt A nennen, wenn sie in zwei Gruppen wie B und C zerlegt werden kann.

Was möchte uns Wittgenstein damit sagen? Was er uns damit sagt, wusste er wahrscheinlich selbst nicht, denn ihm gingen es in den Bermerkungen über die Grundlagen der Mathematik nicht um politische Demonstrationen, sondern Mathematische.

Und doch können diese Fragmente seines Sprachspiels durch aus jenseits ihres Kontext, in einen anderen Kontext eingebettet, Bedeutung erlangen. Dann nämlich wenn wir zum Einen die Grenze zwischen Innen und Aussen, im ersten Zitat, als grundsätzliche Barriere demonstrativer Aktionsformen begreifen und zum Anderen anerkennen, dass selbst die spontanste Demonstration, erst dann wirklich Demonstrationcharakter (Gruppe A) erhält, wenn sie sich in Demonstranten (Gruppe B) und Polizei (Gruppe C) aufspalten lässt. Treffen diese beiden Äusserungen zu, so bleibt der Demonstration ausser ihrem selbstbefriedigten Charakter nichts mehr übrig. Denn ist sie nur mit Polizei und Demonstranten eine Demonstration, so lässt sie weder viel Raum für alternative Aktionsformen, noch bietet sie eine Möglichkeit die Grenze zwischen Innen und Aussen zu überwinden. Entweder nimmt man als Demonstrant oder Polizist an einer Demonstration teil oder eben gar nicht. Nimmt man aber an der Demonstration nicht teil, dann ist die Demonstration für einen selbst bedeutungslos. Also entweder Bedeutung und keine Demonstration oder Demonstration und Bedeutungslos…

Für alternative Aktionsformen, immer und überall!

Gute Besserung, Stephen Hawking!

„Er ist eine Art Popstar der Wissenschaft – und schwebt offenbar in Gefahr: Der britische Mathematiker und Astrophysiker Stephen Hawking ist in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Er sei „sehr krank“, heißt es.“
Quelle: Spiegel

An dieser Stelle gute Besserung!

Bierzettelphilosophie:

Es Ich Du

Liebe&Vernunft

Information & Innovation

„Ich hätte gerne einen Pira(td)ler bitte“

Sommer, Sonne, Mischgetränk!

Ein Jahrtausende altes Rezept, das von Generation zu Generation überliefert und nun dank Satscho endlich wieder an die Oberfläche des Trinkgenusses gebracht wurde…

Pira(td)ler:

4x % Bier
4x % Club Mate
1x % Rum

Ein Getränk für groß und klein, jung und alt!

Prost!

„Es gibt keinen warmen Kaffee im Kalten.“

Wir stellen uns einen Becher, oder ein ähnlich funktionales Gefäß vor, in dem sich heißer Kaffee befindet. Kennen die meisten, wird also gar nicht so schwer sein, sich das vorzustellen. Meist ist der Kaffee, den man so bekommt, auch viel zu heiß um direkt getrunken zu werden. Da hilft dann meist nur warten. Der Effekt der zu beobachten ist nennt sich Wärmeausgleich. Drinnen heiß, draußen kalt, führt dazu das drinnen seine Hitze, mehr oder weniger schnell, abgibt. Das passiert zwar nicht nur bei Kaffee, aber der einfach halt halber bleiben wir hier ausschliesslich bei Kaffee. Da der Kaffee im Lauf der Zeit nun an Wärme abgegeben hat, ist er kälter und wäre die Umgebung nicht so groß wäre die auch merklich wärmer, da draußen aber riesig ist, ist der Effekt draußen nur marginal. Der Kaffee wird also immer kälter und draußen ein minimal, unspürbares Bisschen wärmer. Am Ende ist der Kaffee kalt, draußen ist kalt und mir wird auch schon langsam kalt. Also warten bis der Kaffee kalt ist, ist also ziemlich blöd. Und was kann man da jetzt machen?

Also entweder wir warten auf den richtigen Zeitpunkt und trinken den Kaffee dann in angemessener Temperatur aus oder wir nehmen einen so großen Kaffeebecher, dass der Wärmeaustausch letztlich, das draußen schneller erwärmt, als das innen abkühlt und sich Kaffee und draußen in einem angenehmen Verhältnis einpegeln. Eine weiter Variante ist es den Kaffee konstant heiß zu halten, bis draußen auch warm ist… das kostet aber sehr viel Unterhaltsenergie! Wobei der riesige Becher Kaffee auch schon ziemlich viel Herstellungsenergie braucht.

Wir sehen also warten und austrinken, ist einfach und billig!

Aber was hat das ganze jetzt eigentlich mit Anarchismus, Revolution und Wixschlampen zu tun?
Vielleicht fällt mir die Antwort bei einem Kaffee in einem Kaffeehaus ein, denn da ist das draußen nicht so groß und nicht so kalt!

P.S. Macht Spielothek zu Kieselpot, und das H fällt hinten runter!

„Es gibt sie immer noch“

„Anarschisten Kongreß“ in Berlin, geplant in der TU, aufgrund der BZ dann doch in New York. Die Gesellschaft verwehrt das Innen und statt sich dann das äussere Innen zu schnappen und einfach den Kongreß spontan in die Parks und Innenstadtanlangen dieser Stadt zu verlegen, geht man am Ende doch nur wieder in seine Innen zurück um sich gegenüber dem, ach so bösen, Aussen abzugrenzen. Wie kann es denn passieren, dass jedes Wochenende Elektropartys einfach mit mobilem Soundsystem irgendwo stattfinden, aber die „wahren KämpferInnen für Freiräume“ am Ende auf diese Möglichkeit verzichten, um am Ende „zu Hause“ den eigenen Kongreß abzuhalten. Wieder eine Chance verpasst den gelebten Anarchismus zu zelebrieren und sich vor der Welt nicht zu verstecken, sondern ihr mutig entgegen zu stellen.

Naja, irgendwie bin ich halt da gelandet und blieb einfach bis es nichts mehr zu sagen gab. Theoriefeindlich wie immer, aber Hauptsache wir haben darüber geredet… Gelernt habe ich nur, dass „es sie immer noch gibt“. Die Themen waren die Üblichen und die Diskussionen auch. Dogmatisch beharrt dann doch jeder auf der eigenen Vorstellung, alles andere wäre ja Macht, oder Herrschaft oder doch Gewalt. Sich selbst darauf zu einigen, fällt in der Heteronomie der Anarchie schon schwer. Zum Glück sprach keiner von Sprachspielen, dass hätte die Spieler nur verwirrt. Und ob ich am Ende eine Kreuzung nackt oder angezogen besetze, wird spätestens mit der Frage danach schon zur Farce. Monogam oder Polyamorie und wer zwingt hier am Ende eigentlich wen? Wenigstens die „Fuck for Forest“-Menschen konnten sich dem Rest nackt prästentieren, ob diese das wollten oder nicht, geht am Ende in der Diskussion unter, denn wo so viele Anarchisten sind, da ist am Ende jeder nur Faschist! Liebt doch wie ihr wollt, aber wollt doch wenigstens irgendwas… Macht euch frei von Herrschaft, aber Machtlos sind wir eben nie. Und fast ist es erschreckend, dass ein Großteil der Probleme am Ende wirklich nur in „linken Kreisen“ ein Problem ist, der von der postmodernen Gesellschaft längst schon überholt ist. Während hier noch dekonstruiert wird, habe die „anderen“ sich ihre bessere Gesellschaft schon aufgebaut! Ohne Plena, ohne Diskussion, einfach nur so… weil´s Spaß macht und man auch einfach mal glücklich sein kann!

Ich war noch lange spazieren und piff mit Satscho frohe Lieder. Da habe ich mehr gelernt als auf jedem Kongreß der Welt, ob er nun über Anarchismus, Informatik, Neurobiologie oder Quantenphysik geht. Leben heißt erleben und nicht Informationen sammeln…

Verrückte Menschen in verrückten Städten

Draußen schien die Sonne, schien der Tag schön zu werden. Aufgewacht, aufgestanden und schon geht es los. Die Grille schon aufgebaut, bevor man ankommt. Der Park in Nebel gehüllt. Soviele Menschen, von überall her, mit all ihren Sprachen und all ihren Sprachspielen. Ich nur eine kleines Atom, ein kleiner Teil des Ganzen, dass sich dynamisch durch die Zeit schiebt. In Bewegung bleiben und ein bisschen Kommunizieren, mit allen Teilen seines Körpers einen Platz einnehmen. Spuren hinterlassen!

Plötzlich tauchte Julia auf, ein kleines „Buh“ aus dem nichts, plötzlich neben mir gestrandet. Sie war verrückt und ich wahrscheinlich auch. Während wir so schweigend nebeneinander liefen, sammelt sie ihre Teile auf der Straße auf. Verstanden habe ich es nicht und doch fand ich es irgendwie ok. Der Baum, der ihr gefiel trug die Nummer 79. Und von der anderen Julia habe ich auch nicht viel erfahren. Das sie sie traf, war wohl schon Jahre her und wie sie darauf kam, konnte ich nicht nachvollziehen. Ich war nur froh, dass ich nicht alleine laufen musste… Was sie dachte hat sie mir nie gesagt und selbst wenn hätte ich es wohl nicht verstanden. Der Kamm den sie für mich fand, fand hoffentlich ausserhalb von Berlin einen neuen Nutzer. Irgendwie war´s komisch und auf eine verrückte Art normal. Verrückte Städte produzieren nunmal verrückte Menschen. Wohin wir eigentlich wollten wussten wir beide nicht genau, ich hatte eine Ahnung, sie nicht mal einen Plan. Das sie mir ins Wasser spuckte, fand ich abstossend, doch stiess ich das Wasser einfach an sie ab. Eigentum und Rotze gehören nunmal zusammen. Auch wenn sie es nicht verstand, gehörte das Wasser nun ihr. Und als dann das Fahrrad mit der Musik kam, waren wir irgendwie angekommen. Am Ende! Zusammen lauschten wir der Musik, da wir uns weiter nichts zu sagen hatten. Und ich, alles was sie sagte, sowieso nicht verstand. Zu guter letzt sagte ich „Tschüß, ich muss jetzt gehen, denn mir ist noch schlecht von gestern! Aber es war nett, neben dir zu laufen.“ Sie blieb, ich ging…



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